13.11.2012

Selbstversuch

Fastenzeit

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Lesen Sie auf der nächsten Seite, welches nun des Yogi liebster Käse ist!

Also ich hätte kein Problem damit, das zu machen. (Ich war Zivi). Nur stelle ich mir die Situation in der Apotheke vor. Ich versuche mit Händen und Füßen zu erklären, dass ich mir ein Röhrchen in den Allerwertesten schieben will … und so weiter. Die Apothekerin könnte ein Bild von mir im Kopf haben, von dem ich definitiv nicht will, dass sie es in ihrem Kopf hat. Echt prüde, ich weiß. Vor allem paradox, da ich Dir lieber Leser, dieses Bild jetzt aufgezwungen habe. Wie geschmacklos!

Mal von alle dem abgesehen: ich habe ein Problem mit diesen rumänischen 24-Stundenapotheken. Mir scheint, im Zentrum von Neumarkt geht man keine zehn Schritte von der einen bis zur nächsten. Und die Leute gehen da wirklich hin. Nachts! Erschreckend, wie krank oder abhängig die von diesem Service sein müssen. Huxleys Soma lässt grüßen.

Jedenfalls probiere ich es mit Buttermilch. In den ersten Tagen auch mit Äpfeln. Die sollen wie die Buttermilch nicht nur abführend wirken, sondern auch reinigen und entgiften. Perfekt. Nur funktioniert das noch nicht ganz, auch mit Qi-Gong nur schwerlich.

Wie auch immer: ich glaube, Hunger ist gar nicht mein Problem. Es ist viel mehr der Ritus, die Gewohnheit des Essens. Der in den Alltag einprogrammierte Genuss. Das Sich-Verwöhnen, die Stimulation des Limbischen Systems im Gehirn, zuständig für Gefühle und Triebe, der Teil, der die gewaltige Mehrheit unserer Entscheidungen trifft, wie die Hirnforschung sagt. Das weiß ich jetzt seit einem Seminar beim Mitarbeitertreffen. Danke Tobias.

Egal wie agil ich mich auch fühle, mein Limbisches System japst nach Betüddelung. Und was mache ich Idiot: Ich greife zur Zigarette. Kein Kaffee, kein Kohlenhydrate, nix. Tee, Wasser, Buttermilch, Apfelsaftschorle, ab und an ein Apfel, auf der Arbeit auch mal ein Kakao. Und abends die verdammte Kippe im Maul. 100 Prozent Gift! (Falls ihr mitlest liebe Eltern: bitte einmal kräftig den Kopf schütteln!) Davor habe ich locker eine Woche ohne Fluppe ausgehalten.

Auf dem Pfad der Askese hat mir mein limbisches System einen Streich gespielt und mich aus der Bahn geworfen. Was soll’s, ich faste ja, damit es mir gut geht. Falscher Ehrgeiz ist genauso giftig wie Nikotin – glaube ich, *hust*.

Am meisten freue ich mich ohnehin aufs Fastenbrechen. Die kulinarische Wunschliste wird mit jedem Tag umfangreicher. Allein der Gedanke an Pellkartoffeln mit Blattspinat – wie banal! – macht mich wahnsinnig. Für Rumpsteak könnte ich jetzt töten. Ich habe mich selbst bei manch gierigem Blick auf der Straße ertappt. Zum Glück lebe ich nicht mehr in Berlin, wo aus jeder Ecke die Versuchung quillt und ihre Reizstoffe direkt ins Limbische System pumpt: Mustafas Gemüsekebab. Obwohl. Auch der ist mir in den vergangen Tagen schon über den Gaumen gespukt. Brutzeln mit den Atzen: Crevetten in Knoblauch-Soße. Stopp, sonst drehe ich durch. Glaub mir lieber Leser, ich leide Qualen bei diesen Zeilen. Selbst wenn ich morgen den ganzen Quatsch abbrechen sollte, weiß ich jetzt immerhin: Fasten regt die Phantasie an.

Und welchen Käse isst der Yogi? As-Kese, gibt's überall und kostet nix!

Erscheinungsort: derFreitag